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Das Ende meines Pikler Grundkurses

Was bedeutet die Pikler Pädagogik für mich

Mein Grundkurs, der erste Abschnitt am Weg zur Pikler-Pädagogin ist zu Ende! Ein guter Grund mir die ganz Sache noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Eine der Fragen in den letzten Wochen der Ausbildung war: „was bedeutet die Pikler-Pädagogik eigentlich für Dich?“ Gute Frage, was bedeutet sie für mich?

Kleinkindpädagogik ein wunderbarer Schatz

Nach der intensiven Zeit der Beschäftigung mit dem Thema Pikler bin ich fester denn je davon überzeugt, dass diese Form der Kleinkindpädagogik ein wunderbarer Schatz ist, den alle Eltern die Gelegenheit haben sollten zu entdecken. Der achtsame, respektvolle Umgang mit den Kindern unterstützt vom „Ersten Tag“ an die Entwicklung der Autonomie und der Selbstständigkeit des Kindes. Besonders und wesentlich ist, auch vom ersten Tag an, das Warten auf eine Reaktion und/oder die Bereitschaft des Kindes an den für die soziale Entwicklung und den Beziehungsaufbau so wichtigen Pflegesituationen (Essen, Wickeln, Anziehen, Nase putzen, etc.) teilzunehmen. Klingt total blöd, ich weiß! Aber jetzt weiß ich auch, dass es tatsächlich so ist! Dass ein 3 Monate alter Säugling, der von Anfang an achtsam und aufmerksam gepflegt/betreut wurde, auf die Aufforderungen des Erwachsenen tatsächlich reagiert, ich hab es gesehen!! Das bedeutet natürlich nicht, dass sich ein 3 Monate alter Säugling alleine anzieht ;)) Aber er nimmt auf seine Weise teil, vielleicht mit einer Bewegung des Armes, einer winzigen Veränderung der Körperspannung oder einem aufmerksamen Blick.

Es gibt für Eltern zwei Möglichkeit die Pikler Pädagogik zu erleben, den Spielraum nach Emmi Pikler und eine Pikler Krippe für Kinder von 0 – 3.

Spielraum nach Emmi Pikler

In einem Spielraum kann die oben beschriebene Art des Umganges erlebt werden! Ein „Spielraum nach Emmi Pikler“ ist eine Spielgruppe für Kinder von 0-3, in die die Eltern, bzw. ein Elternteil mit dem Kind kommt und einfach einmal gar nichts machen darf. Klingt doch wunderbar, oder? Die Eltern können ihre Kinder in Ruhe beobachten und genießen, sie können entdecken was ihre Kinder interessiert, was sie Neues entdecken und wie sie lernen.  Wie die Kinder mit Missgeschicken umgehen oder vielleicht Etwas, was der Erwachsene als Missgeschick empfindet gar nicht schlimm finden. Auf diese Weise können die Eltern viel über ihr Kind erfahren, es besser kennen lernen. Auch die Begegnungen zwischen den Kindern, oft die ersten ungestörten sozialen Kontakte, sind für viele Eltern etwas Neues. Nicht brutal und unachtsam gehen sie miteinander um, sondern sorgfältig und ihrem Gegenüber interessiert. Sie berühren sich sanft, wollen die Haare des anderen angreifen oder das Gesicht. Wenn ein Kind einem anderen etwas wegnimmt, so geschieht das nie aus Böswilligkeit sondern aus reinem Interesse an dem Gegenstand den das Kind hat. Ob der Gegenstand wieder zurückgegeben wird hängt vor allem davon ab, wie es dem Kind geht dem etwas weggenommen wurde. Meistens ist es den Kindern egal und sie finden sofort eine Alternative. Trotzdem ist es für die Kinder wichtig das Wegnehmen zu benennen und den Gefühlen des Kindes Worte zu geben die es selber noch nicht hat, sollte es doch eine Verstörung gegeben haben. Wir tendieren allzu schnell dazu die Kinder zu maßregeln und zu richten, „gib ihm das Spielzeug wieder zurück!“, dabei ist das Kind dem etwas genommen wurde schon mit etwas ganz anderem beschäftigt. Ich glaube dass das die Erwachsenen tun um den Erwachsenen zu zeigen, dass sie das Verhalten des Kindes nicht gut heißen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Spielraum in Perchtoldsdorf

In meinem Spielraum in Perchtoldsdorf zeige ich den von Emmi Pikler gemeinten Umgang mit den Kindern vor. Ich beobachte die Kinder und kommentiere ihr Tun wenn ich sehe, dass sie wahrgenommen werden wollen. Steht ein Kind auf der Krabbelkiste und schaut mich stolz an, dann sage ich „du bist auf die Krabbelkiste gestiegen und ich sehe dass du ganz stolz  bist!“ Ich greife nur ein wenn sich die Kinder nicht mehr selber zu helfen wissen, z.B. wenn es doch einmal einen Konflikt um ein Spielzug geben sollte. Ich störe sie so wenig wie möglich und versuche zu verhindern, dass sie gestört werden. Ein ganz wesentlicher Punkt in einem Spielraum ist, dass weder die Eltern noch ich die Kinder animieren oder anleiten! Es ist wesentlich die freie Entscheidung der Kinder nicht zu behindern, ihnen die Zeit zu lassen, bis sie ein Material gefunden haben das sie heute interessiert. Wichtig daran ist das Zutrauen der Erwachsenen in die Kinder, dass sie das für sie richtige Spiel selber auswählen können, für sich selbst kompetent sind, selber wissen und spüren was sie brauchen. Das ist so schnell dahin geschrieben, aber dahinter steckt ein ganzer Kosmos an Menschenbild. Wieviel traue ich meinem Kind zu, welches Vertrauen habe ich in seine Entfaltungsmöglichkeiten, was „muss“ ich ihm lernen, wie bedeutsam ist es für einen Menschen über seine Bedürfnisse, Wünsche und Kompetenzen Bescheid zu wissen? Der Zugang zum eigenen Inneren kann nicht früh genug erlebt werden, bzw. glaube ich dass dieser, wenn er nicht früh erfahren wird, verloren geht. Denn das Gegenteil von „ich weiß über mich Bescheid, kenn mich mit mir aus“ ist „entscheide du für mich, du kannst das besser, ich kann es nicht ohne dich“ und das ist ganz furchtbar traurig und nicht was ein froher, aufrechter Mensch braucht.

Auch Lob und Tadel hat in einem Spielraum nichts verloren. Ein Kind das einen Turm gebaut hat brauche ich nicht zu loben, es will mein Lob nicht, es wäre ja auch in Ordnung und keinen Tadel wert, wenn der Turm umgefallen wäre, oder? Es will gesehen, wahrgenommen werden. Nicht loben will ich die Kinder, sondern mich mit ihnen freuen, „ich sehe, du hast einen Turm gebaut!“ So wie die Freude teile ich auch Ärger oder Trauer mit ihnen. Auch dabei reicht die einfache Wahrnehmung des Gefühls.

Vielleicht schauen sich die Eltern im Spielraum etwas ab und nehmen es in den Alltag mit. Durch das Entdecken von neuen Seiten an ihrem Kind können sie eine neue Beziehungsebene erleben oder entwickeln.

 

# Kinderkrippe nach Emmi Pikler

Eine weiter Möglichkeit sein Kind in der besonderen Weise von Emmi Pikler begleitet zu lassen ist eine Kinderkrippe nach Emmi Pikler. Am Beginn einer guten, bereichernden Krippenzeit für Eltern, Kind und Pädagogin, steht eine gelungene Eingewöhnung. In der Phase der Eingewöhnung geht es einerseits um das Loslassen der Eltern von ihren Kindern, was nicht immer einfach für die Eltern ist! Ich selber habe mir damit sehr, sehr schwer getan. Voller Zweifel ob es die richtige Entscheidung und der richtige Zeitpunkt ist, traurig über das Ende der behüteten Zeit zu Hause. Die Eltern brauchen in dieser Zeit genau so viel Begleitung wie die Kinder. Sie müssen das absolute Vertrauen haben, dass ihr Kind in dieser Einrichtung gut aufgehoben ist und die Pädagogen sich in quasi mütterlicher/väterlicher Zuwendung um das Kind und seine Bedürfnisse kümmern.

Andererseits geht es natürlich um den Beziehungsaufbau zwischen Kind und Pädagogen. Langsam und ohne Drängen soll sich das Kind an die neue Umgebung und die neuen Menschen gewöhnen können. Oft ist es für die Kinder auch das erste länger andauernde Zusammensein mit anderen Kindern. Auch daran müssen sich die Kinder erst einmal in Ruhe einstellen können. Eine gute Eingewöhnungsphase braucht einen genauen Ablauf, der mit den Eltern offen besprochen werden sollte. Es ist wichtig, dass die Eltern ihre Zweifel und Sorgen äußern, ehrlich zu den Pädagogen sind, dass gleich vom ersten Moment an auf beiden Seiten Klarheit besteht.

Nach einer gelungenen Eingewöhnung schaffen es junge Kinder von 0-3 in einer Pikler Krippe ohne Stress und Angst eine gute, bereichernde und beziehungsvolle Zeit mit den Betreuungspersonen und den anderen Kindern zu verbringen. Die Prinzipien des Umgangs mit den Kindern sind die gleichen wie in einem Spielraum: respektvolle, achtsame Kommunikation und Umgang mit den Bedürfnissen und Interessen des Kindes. Eine Zeit die voller satter Begegnungen, Möglichkeiten und Zeit für Versuche und Erfahrungen mit sich und der Umwelt ist. Das Alles kann passieren wenn die Pikler Grundsätze gut umgesetzt werden!!

Es wäre schön wenn es eine solche Pikler Krippe in der näheren Umgebung in Mödling, Ma. Enzersdorf oder sogar Perchtoldsdorf gäbe. Wenn mir etwas zu Ohren kommt, werde ich es Euch wissen lassen. Oder vielleicht mach ich selber eine auf ; ))

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